Die Tanzschritte des Tango lernen

Obwohl sich diese Seite eigentlich mit dem Tango Argentino beschäftigt, werden wir hier auch die Elemente des Tango als Standardtanz (also des europäisierten Tango) erklären.

Zunächste jedoch zum Tango Argentino.

Die Tanzschritte beim Tango Argentino

Dem Tango Argentino liegt eine eigene Tanzphilosophie zugrunde. Er kennt keine starre Choreographie und hat im Vergleich zum Standard-Tango eine deutlich andere Paarhaltung. Des weiteren hat er - sieht man genauer hin - nicht einmal "Figuren", wie man sie bei den Tänzen des Welttanzprogramms findet.

Der Tango Argentino lebt von unterschiedlichen Schrittelementen und Techniken, die in beliebiger Art untereinander kombiniert werden können. Es gibt die Rolle des / der Führenden, und die Rolle des bzw. der Folgenden. Die Partner entscheiden, wer welche Rolle übernimmt. Dennoch ist traditionsgemäß der Mann der Führende und die Frau die Folgende. In jüngerer Zeit sieht man jedoch immer mehr Frauen, die führen. Man kann heutzutage auch gleichgeschlechtliche Paare miteinander tanzen sehen.

Doch was heißt "führen"? Antwort: während des Tanzes bestimmt weitgehend der / die Führende, welche Schritte, welche Kombinationen getanzt werden und welche Tempo getanzt wird. Die Person, die folgt, muss diese Führung akzeptieren und sich bemühen, die Körperimpulse des Partners so zu aufzunehmen und zu übernehmen, dass ein kontinuierlicher Tanzfluss entsteht. Der Tanzpartner, der folgt, hab jedoch die Möglichkeiten, die an ihn herangetragene Führung auf verschiedene Art zu interpretieren.

Derjenige, der die Führung hat, muss seinerseits auf diese verschiedenen Reaktionen / Interpretationen beweglich reagieren.

Im Idealfall entwickelt sich so ein Dialog zwischen den Tanzpartnern. Damit dieser Dialog, dieses Zwiegespräch, gelingt, ist es erforderlich, dass die Partner einen guten Körperkontakt aufnehmen. Begründung: die die Übertragung der Bewegungs- und Tanzimpulse sollte nicht durch Bewegungen der Hände oder Arme geschehen - und keinesfalls mittels des linken Armes des Führenden. Die Übertagung sollte mittels des gesamten Oberkörpers bzw. über die Schultern geschehen.

Dazu ist notwendig, dass die Partner oft etwas aufeinander zugeneigt stehen bzw. tanzen. Nicht so erheblich ist, wie "eng" die Partner miteinander tanzen, unerheblich somit, ob etwa die Köpfe aneinander gelehnt werden oder aber ein Kontakt über den ganzen Oberkörper erfolgt. Wichtige ist allein, dass das Tangopaar stets unmittelbar mit den Oberkörpern voreinander bleibt. Nur so können die Tanzenden sicherstellen, dass die Übertragung der Impulse ohne gegenseitige Mißverständnisse erfolgt und auch, dass sich das Paar bei schwierigen Schrittfolgen, etwa bei Drehungen, nicht verliert und "in der Achse bleibt".

Das Beachten und Einhalten der Tanz-Achse ist eine sehr wichtige Regel. Jeder der Tanzenden für sich selbst, aber auch das Paar als Einheit hat eine eigene Tanz-Achse. Sehr wichtig ist, dass diese Tanzachsen immer aufrecht erhalten werden. Wenn die gemeinsame Achse verletzt wird, ist es bis zum Sturz nicht weit. Wenn die Achse eines der Tanzenden verletzt wird, so verändert sich dadurch ein Schritt oder eine Technik in großem Ausmaß. Das kann - jedoch nur für weit fortgeschrittene Tänzer - eine Chance sein, denn sie können diese Veränderung jkontrollieren und daraus spektakuläre Techniken entwickeln.

Da der jeder der Partner von dem anderen beim argentinische Tango in besonders starkem Maß abhängig ist, ist ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen für den Tangotanz unabdingbare Voraussetzung.

Die Schritt-Elemente des Tango

Oben haben wir gesehen, dass der Tango verschiedene Schrittelemente beinhaltet, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben. Der Tango Argentino ist zwar ein Improvisationstanz, dennoch können die Tänzer verschiedene etablierte Einzelelemente wählen, kombinieren und neu gestalten. Dadurch wird jeder Tanz individuell.

Die Grundelemente des Tango Argentino sind:
- einfaches Gehen, die „Caminata“,
- Stopps und
- Drehungen.

Ein Tanz ohne Schema ist natürlich schwierig zu erlernen. Aus diesem Grunde wurde von argentinischen Tangolehrern eine Schrittkombination entwickelt. Sie nennt sich "base" oder "basse". Diese Basse bzw. Base setzt sich aus 8 Tango-Schritten bzw. Positionen zusammen. Die Schritte sind grundsätzlich gleich lang.

1. Tango-Schritt:
Die Base startet mit einem Rückwärtsschritt des rechten Fußes des Mannes.

2. Tango-Schritt: Die Frau macht folgt mit einem Seitwärtsschritt nach links

3. u. 4. Tango-Schritt:
Zwei Vorwärtsschritte des Mannes an der Frau seitwärts vorbei

5. Tango-Schritt: der Mann schließt seine Füße, wobei bei diesem 5. Schritt der Mann die Frau mittels einer kleinen sanften Linksdrehung seines Oberkörpers leicht zur Seite führt, so dass diese die Beine überkreuzen kann - sog. "el cruze de la mujer" oder "Cruzada" und dabei die Füße möglichst eng nebeneinander „ins Kreuz“ stellt (den linken vor den rechten Fuß).
Die nächsten 3 Tangoschritte bilden den Abschluss - die "resolución natural" oder "salida".

6. Tangoschritt:
Der mann führt die Frau aus dem Kreuz heraus, und zwar mit dem linken Fuß nach vorn. Dabei kann der Mann die Dame in eine Viertel- oder kleinere Linksdrehung leiten.

7. Tangoschritt:
Dann macht der Mann einen seitlichen Schritt nach rechts.

8. Tangoschritt:
Und schließt die Füße.

Diese (Basis-)Figur wird nicht immer mit dem hier beschriebenen 1. Tangoschritt begonnen, sondern kennt unterschiedliche mögliche Ein- und Ausstiegspunkte. Auch Verkürzungen sind tanzbar. Beispiel: Der Mann kann die Frau aus der Cruzada (s. 5. Tangoschritt) direkt zurück zum 2. Tangoschritt führen oder auf den 7. Tangoschritt seinen linken Fuß ohne Gewicht an den rechten schließen und mit Seitschritt links direkt zum 2. Tangoschritt gelangen.

Man darf nicht vergessen, dass die Base - hier wurde die Version "paso basico cruzado" beschrieben - nur ein Hilfskonstrukt für ein besseres Vermitteln des Tanzes im Tango-Unterricht ist. Fortgeschrittene Tänzern tanzen sie äußerst selten.

Deshalb wird die Base oftmals nicht als Grundschritt gelehrt, sondern als eine interessante fortgeschrittene Kombination. Besonders der erste Schritt wird normalerweise weggelassen oder durch einen anderen Schritt ersetzt, da bei einem Rückwärtsschritt die Möglichkeit eines Zusammenstoßes mit nachfolgenden Tanzpaaren gegeben ist. In den klassischen Salons der argentinisches Hauptstadt Buenos Aires wird ein solcher Rückwärtsschritt grundsätzlich nicht getanzt. Dort achtet man penibel auf Tanzdisizplin, etwa der Einhaltung einer Tanzrichtung gegen den Uhrzeigersinn. Diese Disziplin übernimmt man mehr und mehr auch in Europa.

Als Ersatz zu den Positionen 1 und 2 gibt es die "salida americana", einen promenadenähnlichen Eröffnungsschritt nach links.

Der Takt

In der Regel folgt auf einen Taktschlag ein Schritt. Jedoch kann das Paar aber auch eine Pause einlegen oder die Schritte in ihrer Zeit halbieren. Ob und wie Zeitelemente zum Einsatz kommen, hängt von dem Führenden ab, also davon, wie er sich von der Musik inspirieren lässt oder davon, wie sich die Platzverhältnisse auf der Tanzfläche gestalten.

Typische Merkmale des Tango-Tanzes

Das Kreuzen der Beine wurde bereits als typisches Merkmal des argentinischen Tango beschrieben.

Daneben sind die so genannten "Achten" (span.: "ochos") beliebt, die vor allem von den Frauen getanzt werden. Die Füße der Tänzerin zeichnen auf dem Boden eine Acht. Diese Acht kann sowohl vorwärts als auch rückwärts getanzt werden. Auch ist es üblich, mehrere Ochos hintereinander zu tanzen. Während die Frau diese – vom Mann geführten – Ochos beschreibt, läuft der Mann i.d.R. weiter und begleitet dabei die Tanzbewegungen der Dame.

Auch Drehungen - "giros" oder "mulinetas" - sind sehr beliebt. Hierbei stellt der Mann während des Drehens seine Füße an die der Partnerin oder er gibt ihr mit seinen Beinen an den Unter- oder Oberschenkeln einen leichten Impuls, eine sacada oder entrada. (Anmerkung: diese wird sacada oder entrada wird allerdings nicht nur während einer Drehung getanzt ). Ein anderes Element des Tangos sind die Haken - "ganchos". Hier unterbricht das Paar den Tanzfluss.Fortgeschrittene Tänzer wagen sich an Techniken mit einer Achsenkippung an die "colgadas" und "volcadas".

Daneben gibt es noch viele weitere Schrittfolgen und Techniken im Tango. Es werden immer wieder neue Elemente erfunden und sogar im Tanzen gefunden (sogar aus Missverständissen heraus).

Entscheidend beim Tango Argentino ist, dass alle Elemente des Tango immer im Bezug zur Musik getanzt werden. Das ist mitunter nicht leicht, denn nicht wenige Tangostücke haben einen Rhytmuswechsel: langsame Passagen und schnelle.Dieses unterschiedliche Tempo muss durch die Tangotänzer interpretiert, gestaltet werden - und zwar in Zusammenwirken mit dem Partner - und immer mit einem Auge auf die anderen Paare, die die Tanzfläche füllen.

Stilrichtungen des Tango Argentino

Beim Tango Argentino differenziert man zwischen dem "Tango de Salon"und dem "Tango de Fantasía".

Tango de Salon

Der Salontango verzeichtet auf komplizierte Figuren und wird in erster Linie auf den Milongas getanzt wird. Hintergrund: der Tanzfluss der anderen Paare soll nicht gestört werden.

Der Tango de Salon ist ein sehr eleganter Tango-Stil. Er ist gekennzeichnet duch langsame, gemessene und weich ausgeführte Moves. Dennoch beinhaltet er sämtliche grundlegenden Tango-Schritte und -Figuren, also auch Sacadas, Giros und Boleos. Für den Tango de Salaon sind wichtig Präzision, Glätte sowie eleganten Linien. Die Paare umarmen sich nicht so eng wie in älteren Stilen und tun dies auch flexibler: die Umarmung ist etwas geöffnet, um Raum für verschiedene Figuren zu ermöglichen. Sie schließt sich wieder für die gegenseitige Unterstützung und das Gleichgewicht.

Der Salontango kennt verschiedene Unterarten, etwa deb "Milonguero-Stil". Den Milonguero Tango tanzt man sehr eng und mit nur wenigen Figuren. Eine weitere Unterart ist der alte "Canyengue-Stil". Er unterscheidet sich vom Tango hauptsächlich durch teilweise sehr heftige Bewegungen der Arme und Schultern.

Milonguero-Stil

Es waren die Europäer und Nordamerikaner, die den Tango Tanzstil mit sehr enger Umarmung als Milonguero bezeichneten. Dieser Stil wird auch als Confiteria-Stil, Club-Stil, Apilado-Stil bezeichnet. Man findet den Milonguero in sehr überfüllten Singles-Clubs im Zentrum von Buenos Aires. Der Milonguero-Stil wird in sehr enger Umarmung mit vollem Oberkörperkontakt getanzt. Die Partner lehnen sich aneinander (keinesfalls: hängen). Der Milonguero hat zudem nur einfache Geh- und Drehschritte. Um diesen Tango zu tanzen, benötigt man eine eher rhythmisch betonte Musik. Eine neue Variante des Milonguero ist der Villa Urquiza Stil. Er verbindet die Milonguero-Haltung und die reduzierten Milonguero-Figuren mit Fußverzierungen der Frau.

Canyengue Stil

Der Canyengue ist ein sehr alter Tango-Stil. Er stammt aus der Epoche zwischen dem Ende des 19. Jahrunderts und den 1940er Jahren. Die Musik dieser Zeit war durch ein schnelles 2/4-Metrum gekennzeichnet. Der Tanz war also eher rhythmisch betont war. Dies findet man bei dem modernen Milonga wieder. Charakteristisch für den Canyengue sind eine besonders enge Umarmung sowie einige einzigartige Elemente in der Haltung und Fußarbeit.

Tango Nuevo

Eine weitere Stilrichtung des Tango Argentino ist der "Tango Nuevo". Er wird sehr sehr offen und oft zu moderner, mit Technoelementen versehener Musik (z. B. von Gotan Project) getanzt. Besonders jüngere Tänzer und Tänzerinnen lieben diesen Tanz. Notwenig ist ein guter Stand auf der eigenen Achse. Kennzeichnend sind jedoch auch Tanz-Elemente, die mit der Aufgabe der Achse eines bzw. beider Tanzpartner spielen. Beispiele sind die Colgadas, und Volcadas.

Tango Fantasia

Der Tango Fantasia kann als "Hybrid-Tango" bezeichnet werden. Er ist eine Mischung aus traditionellen Tangoschritten, Ballet, Modern Dance, Standard,Gymnastik, Eislauf und vielem mehr. Der Tango Fantasia ist die Form des Tango, die man präsentiert bekommt, wenn man in eine Tango-Show besucht. Die Tanzbewegungen des Tango Fantasia beinhalten sämtliche Grundbewegungen des Tango. Hinzu kommen Ganchos, Sacadas, Boleos jedweder Art, Sentadas, Kicks, Sprüngen, Hebungen und alles andere, was ein Leckerbissen für die Zuschauer ist.